Charlie Parker - The Passion Of Charlie Parker

Review Charlie Parker - The Passion Of Charlie Parker

Angestoßen durch den sechzigjährigen Todestag des 1955 bereits mit 34 Jahren verstorbenen Jazz-Ikone Charlie Parker hatte Larry Klein, Produzent von Pop-und Jazzgrößen, wie etwa Joni Mitchell, Herbie Hancock und Tracy Chapman die Idee, dem stilbildenden Alt-Saxophonisten in Gestalt eines Albums einen Kranz zu binden. Er dachte dabei an einen ungewöhnlich geflochtenen Kranz, nämlich nicht etwa daran, Saxofonisten der Jetztzeit mit der Aufgabe zu betrauen, Parker-Titel neu aufzunehmen. Anstelle dieser naheliegenden Würdigung ließ sich Larry Klein etwas zweifellos originelleres Einfallen: Zwölf Sängerinnen und Sänger unterschiedlichen Genres präsentieren ausgewählte Titel aus dem riesigen Repertoire Charlie Parkers in Gestalt von Songs, wobei die Titel zum speziellen Anlass von David Baerwald mit Texten versehen wurden, die wesentliche Stationen des musikalischen Lebens der Jazzlegende impressionistisch Revue passieren lassen. Für eine verlässliche instrumentale Grundlage des Unternehmens „The Passion of Charlie Parker“ sorgen der Pianist Craig Taborn, der Saxophonist Donny McCaslin, der Gitarrist Ben Monder, die Bassisten Larry Grenadier und Scott Colley und die Schlagzeuger Mark Giuliana und Eric Harland, also ein guter Teil der Instrumentalisten, die erst jüngst David Bowies Blackstar mit zum Erfolg verholfen haben.

„Meet Charlie Parker” ist der mit Text versehene Originaltitel „Ornithology”. Der wiederum ist typisch Charly Parker nichts anderes als eine in Bezug auf den Harmoniewechsel auf die Spitze getriebene Variation über den Jazzstandard „How High The Moon”. Die US-amerikanische Jazz- und Chansonsängerin Madeleine Peyroux, deren Stimmtimbre an Billie Holiday erinnert, nimmt sich dieses Charly Parker Titels vokal an und versetzt den Hörer in eine ziemlich vom Mond gefallene Stimmung.

Die Kanadierin Barbara Hannigan kommt als Sängerin aus dem klassischen Lager und ist auch als Dirigentin für klassische Kompositionen aktiv. Ihr wurde der Vokalpart in „The Epitaph of Charlie Parker” alias „Visa” anvertraut, den sie mit angemessener Würde verkündet.

Der stets unter unsäglicher Mütze auftretende Senkrechtstarter unter den relativ wenigen Jazzsängern von Klasse Gregory Porter übernimmt die wie stets bei diesem Sänger stark textdeklamatorische sängerische Gestaltung der „Yardbird Suite”, einem Titel, der auch im Charlie Parker Original genau so lautet.

Der mit Tony, Emmy und Golden Globe überhäufte Amerikaner Jeffrey Wright leiht seine professionelle Schauspieler-Stimme dem Song „So Long“ alias „K.C. Blues“. Man nimmt ihm die sich auf Charlie Parker beziehende und letztlich für diese letale Drogenabhängigkeit durch die Gestaltung dieses Songs nur zu gerne ab.

“Every Little Thing” alias “Bloomdido” gestaltet die hie und da auch ins klassische Fach wechselnde, mit dem Produzenten dieses Albums verheiratete brasilianische Jazzsängerin Luciana Souza der Sache angemessen leichtgewichtig.

“Central Avenue” kommt wiederum rein instrumental völlig ohne Vocals aus und bildet die düstere Stimmung des Charlie Parker auf einer Reise gen Los Angeles perfekt ab. Warum der Saxophonist nur ungern ins südliche Kalifornien unterwegs war ist nicht bekannt.

Ein weiteres Mal der unguten Sucht widmet sich der Song „Los Angeles”, im Original „Moose the Mooche“. Die Hymne an den Dealer gestaltet der US-amerikanische Jazzsänger und Träger des Grammy Award 2010 Kurt Elling, der dafür bekannt ist, im Stile eines Mark Murphy ebenso zuhause zu sein wie in der Beat Poetry, mit großer Überzeugungskraft.

„Live My Love for You”, ein Song, der bei Charly Parker unter „My Little Suede Shoes” lief, wird hier von Kandace Springs, einem Jazzsänger, Songwriter und Pianist aus Nashville, zwischen Soul, Jazz und Pop fluktuierend dargeboten.

Jeffrey Wright darf sich mit „Fifty Dollars” alias „Segment” ein zweites Mal in die Song-Szenen über Charly Parker einmischen.

„The King of 52nd Street” segelte ursprünglich unter “Scrapple From the Apple”. Die aus New Jersey stammende Jazz-Sängerin und Songwriterin Melody Gardot übernimmt die Rolle des Street King überzeugend breitbeinig.

Mit “Salle Pleyel” geht es rein instrumental ins Paris der fünfziger Jahre unter Vorbereitung des letzten Songs dieses Albums „Après Vous” alias „Au Privave”, der von der das Nouvelle Chanson vertretenden, auch in der Pariser Jazzclub-Szene aktiven französischen Sängerin/Songwriterin Camille als Apotheose des Charlie Parker präsentiert wird.

Das Album “The Passion Of Charlie Parker” ist eine überaus gelungene, unkonventionelle Art eine der stilbildenden Jazzgrößen angemessen zu würdigen. Auch aufnahmetechnisch ist dieser hochaufgelöste Download ein Must Have.

Charlie Parker - The Passion Of Charlie Parker

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