Fleet Foxes - Crack-Up

Review Fleet Foxes - Crack-Up

Das dritte Studio-Album der australischen Band Fleet Foxes, ihr erstes auf Nonesuch, erschien soeben, wir schreiben den 16. Juni 2017, mit allem heutzutage für ein derartiges Ereignis üblichen, bereits Monate im Voraus angestimmten Marketinggeschrei im Internet und mit TV-Auftritten. Immerhin mussten die Fans sechs Jahre ohne etwas Neuem von Fleet Foxes, eine Art überdrehte Pink Floyd des Folk Rock überleben. Gleich nach der sich über ein halbes Jahr hinziehenden Produktion in unterschiedlichen Studios der USA, gefolgt vom abschließenden Mischen und Mastering an zwei weiteren Orten wurde im März vorab eine Vorabversion des fünften Song „Third of May / Ōdaigahara“ des neuen Albums im YouTube Kanal der Band, eingepackt in ein lyrisches Video veröffentlicht, ein ausladender epischer Reißer, gepowert vom vollen Einsatz einer zwölfsaitigen Gitarre und vom satten Pianosound, und aufgehübscht vom vergleichsweise exotischen Klang eines Streichquartetts. Nahezu gleichzeitig stellte der Gitarrist und Songwriter Robin Pecknold – zehn der elf Titel des Albums stammen aus seiner Feder – im heimischen Rundfunk den Song vor. Drei Tage später war dann die endgültige Fassung des Songs erhältlich. Wenige Wochen später erblickte der Album Trailer mit Ausschnitten aus der Produktion und Schnipseln weiterer Albumsongs auf YouTube das virtuelle Licht des Internets. Um die Spannung zu halten und die Zeit bis zur Veröffentlichung weiterer Albumausschnitte zu überbrücken, gewährt man dem Fan Mitte April einen Blick auf Korrekturfahnen der Plattenhülle mit Fotos des Japaners Hiroshi Hamaya, in der die Vinylversion von „Crack-up“ parallel zu den diversen digitalen Formaten erscheinen soll. Mitte Mai ist es dann soweit mit der Vorabveröffentlichung des unvermeidlich in einem Video verpackten zweiten Albumsongs „Full’s Errand“, dem später neunen Albumtitel auf YouTube. Kurz darauf starten in den USA Auftritte der Band in Shows mit Ausschnitten aus dem neuen Album, gefolgt von einer Facebook Live-Show der Fleet Foxes aus der Sydney Opera. Danach geht es mit einem Liveauftritt von „Third of May / Ōdaigahara“ in New York in die letzte Runde vor der Veröffentlichung des gesamten Albums im 16. Juni 2017, begleitet von einem TV-Auftritt am selben Abend und am folgenden Morgen – wahrscheinlich um den fan zu versichern, dass es die Band noch immer gibt. Der blanke Wahnsinn.

Abgesehen von all dem Aufwand, das neue Album einer Folk Rock Band zu promoten, darf man feststellen, dass es den Fleet Foxes mit einer aktuellen Stammbesetzung von fünf multi-instrumentalen und vokalen Musikern, neben Robin Pecknold sind Skyler Skjelset, Christian Wargo, Casey Wescott und Morgan Henderson an Bord, und zusätzlichen elf Künstlern geglückt ist, einen individuellen Sound, ja eine spezifische Klangsprache ähnlich den großen Rockbands der siebziger Jahre entwickelt haben, der sich ein ganzes Stück weit vom Folk entfernt hat und jetzt näher am Rock liegt als zuvor. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie und wohin sich die Fleet Foxes entwickeln und ob sie uns wiederum erst in sechs Jahre mit neuen Einsichten in ihre spannende Folk Rock Welt versorgen werden. Nebenbei dürfte auch interessant sein, ob dann der zweite Frühling der Vinyl-Veröffentlichungen noch anhält oder ob dann klanglich Hochwertiges ausschließlich per hochaufgelöstem Download oder Streaming unters Volk gebracht werden wird.

Robin Pecknold, vocals, multi-instrumentalist
Skyler Skjelset, multi-instrumentalist, vocals
Casey Wescott, multi-instrumentalist, vocals
Christian Wargo, multi-instrumentalist, vocals
Morgan Henderson, multi-instrumentalist

Fleet Foxes - Crack-Up

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