Drei Schwestern namens BG, Zeimani und Kucha haben ihr Debut-Album herausgebracht: The Womack Sisters (Mono). Womack? Richtig: Die Töchter von Womack & Womack, die Nichten von Bobby Womack und die Enkelinnen von Sam Cooke machen selbst Musik. Und das mit viel Soul-Adel im Gepäck.
Bei den Womack Sisters handelt es sich um drei der sieben Kinder von Linda und Cecil Womack. Ihr Großvater Sam Cooke ist Linda Vater, und Bobby Womack ist der ältere Bruder ihres Vaters.
Aufgewachsen sind die Schwestern quasi „on Tour“ mit ihren Eltern zwischen London, L.A. und Amsterdam, zwischen Thailand, Südafrika und der Karibik. Und ihr Vater wollte, dass sie verstehen, wie Musik entsteht, und nahm sie zu Platten-Produktionen mit ins Studio. Die Einflüsse haben gefruchtet und treiben auf The Womack Sisters (Mono) erfreuliche Blüten.
Die elf Titel, geschrieben mit Unterstützung aus dem Hause Zekkariyas (dem Familiennamen, den Cecil Womack später annahm) und weiteren Künstlern, sind schöne Soul-Songs. Ihre Lyrics haben mitunter persönlichen Bezug, so bei If I Let You, das davon handelt, sich auf jemanden einzulassen, bevor man ihn kennt, und was daraus folgt, sagte Kucha dazu in einem Interview.
Die Title von The Womack Sisters (Mono) sind reif vorgetragen. Die Schwestern teilen sich meist den Lead-Gesang und wechseln die führenden Stimmen, was die Atmosphäre des jeweiligen Songs noch intensiviert. Zeimani beschrieb es so: „BG ist unser Sam Cooke, sie hat den klassischen Ton. Kucha ist unser Curtis Mayfield, ihre Songs gehen so tief. Und ich bin die Millie Jackson, ich singe das Derbe.“
Zum Auftakt allerdings stellt Chauffeur alle drei Sängerinnen vor. Jede erzählt in einer Strophe, was sie als Fahrer(in) im Limousinen-Service mit ihren Fahrgästen erlebt – ein Rückblick ins eigene Leben, denn die Schwestern haben einen Teil ihrer musikalischen Starts als Uber-Fahrerinnen finanziert.
Bei Monster übernimmt BG die Führung und lässt Einflüsse von Blues und Gospel ihre klare Stimme tragen, während sie bei I Just Don’t Want You (To Say Goodbye) auch rauere Passagen einflechtet – Gefühl zum Anfassen. Zeimanis lässt mit ihrer reichen und sinnlichen Stimme unter anderem Didn’t Mean Much To Me zart glänzen, während die Lyrics ein unbekanntes Gegenüber desillusionieren. Bei I Am You Season führt Kucha das Wort und umschmeichelt die Noten mit ihrer feinfühligen Stimmführung in betörender Weise.
Bleiben noch weitere sieben Titel zu genießen, und wer mag, kann ein Ratespiel daraus machen, welche der Schwestern in welchem der songs diejenige ist, die das Groß von Spirit und Soul in die Noten flüstert, haucht, growlt und trägt.
Doch warum Mono?
Wir wissen es nicht. Denn The Womack Sisters (Mono) ist gar nicht in Mono aufgenommen, es bietet aber die Illusion. Die drei Sängerinnen und sehr viel des weiteren Klanggeschehens ist recht zentral angeordnet, aber auch hier ist schon eine leichte räumliche Abweichung auszumachen. Aber Trompeten, Streicher und andere Ausreißer, Highlights und Hin-hörer spielen eindeutig seitlich zu. Vielleicht ist das (Mono) im Album-Titel nur kleiner Trick von Label Daptone Records als Verweis auf ihr Faible für Retro-Sounds.
The Womack Sisters (Mono) ist in jedem Fall ein hervorragendes Soul-Album mit großartigem Retro-Charme, der das Erbe der Familie würdigt, ohne die Gegenwart außer Acht zu lassen.
Schön, dass es so etwas gibt. (Thomas Semmler, HighResMac)
The Womack Sisters
