Zawinulology Paul Urbanek
Album Info
Album Veröffentlichung:
2026
HRA-Veröffentlichung:
22.05.2026
Das Album enthält Albumcover
- 1 Zawinulology 03:28
- 2 Ancient Tech 03:29
- 3 Unfolding 02:51
- 4 When They Get It They Got It 03:29
- 5 Footsteps in the Temple 03:00
- 6 You Can Listen to It When I'm Gone 02:25
- 7 Cold Fact 03:15
- 8 Interrupted Meditation 02:21
- 9 Unexpected Beauty 03:25
- 10 Bebop Leftovers 03:03
- 11 Ghost 03:00
- 12 God's Waiting Room 02:37
- 13 Second Kharma 03:27
- 14 Unwanted Encore 03:25
Info zu Zawinulology
Auf seinem neuen Album zollt Paul Urbanek dem legendären österreichischen Jazzer Jo Zawinul eindrucksvoll Tribut. Paul Urbanek jazzt im Stiele und Geiste der Legende, dass es eine wahre Freude ist. Das wirkt zwar unheimlich souverän auf der einen, aber auch spontan auf der anderen Seiten.
Wenn Bass oder Keyboard freier Lauf gelassen wird und das Schlagzeug dazu genial groovt, ist das phanjazztisch! Und unglaublich freigeistig, um nicht zu sagen harmonie- und horizonterweiternd.
Für manche Musiker ist Joe Zawinul ein Vorbild, für andere bildet er die Grundlage ihrer Musik. Paul Urbanek gehört eindeutig zur letzteren Gruppe. Seine Verbindung zu Zawinuls Welt besteht nicht darin, Licks zu kopieren, denn dieser typische Bebop-Ansatz wäre bei Zawinuls Musik fast unmöglich. Es handelt sich vielmehr um eine subtilere, tiefere Auseinandersetzung, die über Jahrzehnte hinweg gepflegt wurde.
Paul Urbaneks Verbindung zu Zawinuls Universum ist auch persönlicher Natur. Er begegnete Joe mehrfach und spielte fünfzehn Jahre lang mit dem Gitarristen Alegre Corrêa, der zur letzten Besetzung des Zawinul Syndicate gehörte. Wie bei vielem, was von Zawinul inspiriert ist, reicht manchmal ein Gefühl oder ein Eindruck völlig aus. Diese Erfahrungen versetzten Paul in eine sehr kreative Stimmung: Zunächst war es der Klang, dann die Kategorie. Obwohl er bereits mehrere Akustikalben veröffentlicht hat, ist dies das erste Mal, dass er dieses etwas unbekannte Terrain vollständig erkundet – weniger als Hommage, sondern vielmehr als echte Entdeckungsreise.
Es ist faszinierend zu hören, wie jemand seine Vorurteile gegenüber dem akustischen Klavier überwindet und sich den unbegrenzten Möglichkeiten des Synthesizers öffnet. Die Platte ist reich an Farben: mehrstimmiger Gesang, exotische Klangfarben, Feldaufnahmen und lebendig wirkende elektronische Texturen. Genau diese Freiheit und Ausdruckskraft ist es, für die diese Instrumente entwickelt wurden, jedoch nur selten genutzt werden. Die vierzehn Stücke sind neu geschaffene Improvisationen, die sich entwickeln, verändern und neu formen. Zu den Höhepunkten zählen das marokkanisch angehauchte 6/8-Stück „Ancient Tech“, der tonpoetische Fluss von „Unfolding“, die feurigen Soli in „Footsteps in the Temple“, die tranceartigen Texturen in „Ghost“ und die akustische Brillanz in „Bebop Leftovers“.
Seine schiere Kreativität am Keyboard wäre in einer kompletten Bandbesetzung möglicherweise untergegangen. Da er solo arbeitet, kann Paul Urbanek jede Nuance genau so einfangen, wie er sie sich vorstellt – das Album profitiert von dieser Klarheit. ZAWINULOLOGY verfolgt nicht die Oberfläche von Zawinuls Stil. Es kanalisiert den Geist dahinter: Originalität, Neugier und den Mut, Improvisation in Form zu bringen. Paul spricht diese Sprache fließend und nutzt sie hier, um etwas ganz Eigenes auszudrücken.
Alle Stücke sind ausgearbeitete Kompositionen, wobei die Orginalspur immer dabei ist. Es ist nichts programmiert, alle Spuren sind mit Keyboards eingespielt, Schlagzeug und Handrums sind bei einigen Stücken eine Mischung aus echten Handdrums oder Drumset und auf den Keyboards gespielten elektronischen Sounds.
Diese Methode, Improvisationen so zu rekontextualisieren, daß etwas völlig Neues entsteht, habe ich schon bei dem 2001 erschienenen und mit dem "Hans Koller Preis" prämierten Album "The Hans Koller Concept" verwendet. Es ist keine "Kompsitionsmethode" mehr, es ist einfach, wie ich Musik mache. Für mich ist der Wechsel zwischen akustischem Piano und Keyboard ganz einfach, ich habe von Anfang an, schon als ich noch ein Kind war, beides gespielt. Hammondorgel, Fender Rhodes, Hohner Clavinet, die Synthesizer der pre-midi Generation bis zu den aktuellen elektronischen Tools und immer auch akustisches Klavier.
Gerade weil die Musik von Joe Zawinul für mich so wichtig war und ist, habe ich lange gewartet, um ein Statement zu setzen, daß seinen "Geist atmet" aber seine Musik nicht immitiert. Es gibt keine neuen Interpretationen von Zawinul Kompositionen, "Zawinulology" ist eine höchst persönliche Reflexion, nach 50 Jahren Inspiration durch das Werk dieses für mich wichtigsten Musikers. Das wichtigste Prinzip ist es, die musikalischen Sprachen verschiedener Musikformen so gut zu verstehen, auch auf einer emotionalen Ebene, daß man sie an ihrer "Wurzel" verbinden kann, als "DNA" von etwas Neuem. (Paul Urbanek)
Paul Urbanek, Keyboards
Gäste:
Iva Bittova, Stimme, Violine (Titel 8)
Patrice Heral, Teile eines Live-Drumtracks und eines effektbearbeiteten Gesangstracks (Titel 9)
Wolfgang Puschnig, Field Recording eines unbekannten Straßensängers (Titel 9)
Wolfgang Puschnig, gesampelte kurze Flöten- und Gesangsphrasen (Titel 11)
Paul Urbanek
arbeitete als Pianist/Keyboarder und/oder Komponist/Arrangeur/Produzent auf über 100 Alben mit Musikern wie u.a.
Wolfgang Puschnig, Hans Koller, Alegre Corea, Alexander Machacek, Izabel Padovani Kim Dok Soo(samul nori), Maria Pia De Vito, Sainkho Namchylak, Linda Sharrock Orchestre National Des Jazz, Jamalaadeen Tacuma, Ornette Coleman, David Murray Simone Kopmajer, Terry Myers
Reinhardt Winkler
hat bereits drei Alben als Bandleader veröffentlicht und ist langjähriges Mitglied verschiedener Formationen von Wolfgang Puschnig, sowohl bei "Alpine Aspects" als auch bei "Chants" mit Linda Sharrock und vielen anderen Projekten. In seiner eigenen Formation spielt er u.a. mit Harry Allen und John Di Martino.
Er ist ein wesentlicher und prägender Teil der Band von Simone Kopmajer.
Als Schlagzeuger hat er viele Alben aufgenommen, auch außerhalb des Jazz-Genres, z.B. mit STS oder auch Chuck LeMond.
Seit vielen Jahren ist er auch als Lehrer tätig und hat 2018 sein erstes Lehrwerk für Schlagzeug "Big Noise" veröffentlicht. Unzählige Konzerte in Europa, Asien und den USA prägen bis heute sein musikalisches Schaffen.
Glen Fisher
hat in den letzten 40 Jahren als Bassist, Komponist, Berater für kulturelle Bildung und musikalischer Leiter in ganz Europa, Südamerika und den USA gearbeitet. KSDS Jazz 88.3FM bezeichnete ihn als "den Inbegriff der Vielseitigkeit". Mit seinen 59 Jahren ist er ein erfahrener Bandleader und musikalischer Leiter, aber auch ein virtuoser Sideman. Er spricht vier Sprachen fließend: Er unterrichtet und komponiert in Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Deutsch. Glen studierte an der University of California in San Diego und an der Wiener Musikhochschule in Österreich.
Als ich Glen nach fast 30 Jahren wieder traf, war das Gefühl der Vertrautheit sofort wieder da. Wir hatten einige gemeinsame Jahre am Anfang unseres Berufslebens und dann fast 30 Jahre keinen Kontakt, nachdem Glen nach San Diego, Kalifornien, zurückgekehrt war. Jetzt, wo wir uns beide dem Lebensabschnitt nähern, in dem die meisten Menschen ihre berufliche Laufbahn beenden, haben wir das Vergnügen, wieder zusammen Musik zu machen. Wir haben zusammen angefangen und wir hören (NICHT) zusammen auf. In unserer späteren Lebensphase kehren wir zu unseren Wurzeln zurück, zu unserer gemeinsamen Sprache, in der Herkunft, Alter, Geschlecht usw. keine Rolle spielen. Im Vokabular des Jazz haben wir unseren eigenen, von Moden und zeitbedingten Strömungen unabhängigen Dialekt, mit dem wir uns auch nach 28 Jahren ohne Kontakt sofort wieder weitgehend akzentfrei verständigen können. Reinhardt Winkler, mit dem ich ebenfalls seit mehr als zehn Jahren spielen darf, hat sich sofort perfekt eingefügt. Seine ganz eigene Note und sein unverwechselbarer Sound und Stil prägen den Sound der Band. (Paul Urbanek)
Dieses Album enthält kein Booklet
